Bei der Klassenfahrt Ostsee nur im Strandkorb?

WARNEMÜNDE – Ostsee – Strand. Bei diesen Worten bekommt jeder Schüler glänzende Augen. Bei den LehrerInnen werden auch Erinnerungen wach. Denn viel fahren seit ihrer Kindheit mindestens einmal pro Jahr an die Ostsee. Nicht nur unbedingt im Sommer. Denn dann ist es schön ruhig. Leider auch nicht so warm. Nach Hamburg im Westen sind es fast 200km und nach Stralsund im Osten fährt man ca. 100km. Rostock ist gleich um die Ecke. Manchmal weiß man nicht, ob man noch in Warnemünde oder schon in Rostock ist.

„Das macht gar nichts“, erzählen dann viele Schülerinnen, die in dieser Zeit an der Ostsee sind. „Im Strandkorb kann man einfach den ganzen Tag im Bikini oder Badenanzug am Strand sitzen. Deshalb gibt es ja Strandkörbe!“

Ich habe gehört, dass schon teilweise die Oma oder der Opa mancher Eltern in den 1920er Jahren begeistert im Sitzhäuschen an der Ostsee Urlaub machten. So nannte der Schriftfsteller Kurt Tucholsky den Strandkorb. Denn er arbeitete sogar darin. Nicht schlecht! Wenn ich mir überlege, dass der Unterricht auch mal bei einer Klassenfahrt in Strandkörben stattfinden könnte. Allerdings verstehen die SchülerInnen den oder die LehrerIn dann nicht mehr so gut. Weil ja der Wind so laut ist. Das klingt nach einer schönen Klassenfahrt Ostsee. Aber ich schweife ab.

Klassenfahrt an die Ostsee – Kurt Tucholsky war auch schon da

Damals, zu Kurt Tucholsky Zeiten, war der Strandkorb an der Ostsee schon ziemlich bequem. Natürlich nicht zu vergleichen mit dem Urtyp. Den hatte der Rostocker Korbmacher Wilhelm Bartelmann vor 129 Jahren erfunden. Damals fanden noch nicht so viele Klassenfahrten statt.

Der Herr Bartelmann, hatte auch einen richtigen Rauschebart. Das weiß der Ururenkel Andreas Bartelmann. Er erzählt: „Im Frühling 1882 trat eine reizenden Elfriede von Maitzahn die Arbeitstätte des Ururgroßvaters. Sie bat ihn um die Anfertigung einer Sitzgelegenheit am Strand der Ostsee als Schutz vor zuviel Sonne und Wind. Denn sie hatte Rheuma.“

Der erste Strandkorb ähnelte eher einem aufrecht stehenden Wäschekorb. So spottete man damals an der Ostsee. Doch dem Erfolg des Strandmobilars tat das keinen Abbruch. Schon 1883 stellte Bartträger Bartelmann die ersten Zweisitzer her. Und seine Frau Elisabeth gründete kurz darauf die erste Strandkorbvermietung der Welt in Warnemünde.

Ohne  Strandkörbe ist die Ostsee nicht vorstellbar

Heute stehen an den Ostseestränden zwischen Flensburg und Ahlbeck zwischen 8000 und 10.000 Körbe. Da braucht man schon einige Tage, wenn man alle selbst zählen möchte. Das wäre ja auch eine schöne Aufgabe während einer Klassenfahrt Ostsee. Diese Zahlen schätzt jedenfalls der jetzige Geschäftsinhaber Bartelmann junior. Beliebt sind die kleinen Häuschen nicht nur an der Ostsee, sondern auch an der Nordsee. Auch dorthin kann man eine Klassenfahrt unternehmen. Dort fallen sie auch etwas eckiger aus. Ganz im Gegensatz zu den sanft geschwungenen Ostsee-Kreationen etwas. Weltweit dagegen suchte man sie lange vergebens. Klassenfahrten in die ganze Welt bieten wir aber nicht an.

Wenn die Geschichte stimmt, hat sich das hat sich erst seit dem G8-Gipfel im Jahr 2007 in Heiligendamm 2007 geändert. Heiligendamm liegt in der Nähe von Bad Doberan an der Mecklenburgischen Ostseeküste. Bis nach Stralsund sind es von hier aus ca. 130km. In diesem Jahr, als ein Foto der sieben Staatsmänner und Angela Merkel von der Ostsee durch die Medien wanderte.

„Dann ist die Nachfrage sehr gestiegen“, erinnert sich Bartelman Ururenkel. Mittlerweile stehen sogar einige Exemplare in Florida in Amerika am Strand. Aber Florida liegt nicht an der Ostsee!
Kult sind die Körbe aber immer noch vor allem in Deutschland. Und das schon lange nicht mehr nur am Meer. Auch in Sachsen kann man sie auf vielen Balkonen, in Gärten und sogar vor Gaststätten und Restaurants entdecken. Wahrscheinlich auch, weil man in den Lokalen nicht mehr rauchen darf. Da benötigen diese Gäste ja einen Windschutz, wenn sie mal eine durchziehen möchten.

„Das sind aber keine Strand-, sondern Gartenkörbe“, stellt der 72-jährige Korbexperte Lothar Knooke klar. Er ist Vermieteter seit 1994 in Warnemünde, dem Stadtstrand von Rostock an der Ostsee. Er bezeichnet sich als Kenner, sieht schon auf ersten Blick, ob die Teile was taugen. Gartenkörbe zum Beispiel sind mit 40 kg schon nur halb so schwer wie richtige Strandkörbe. Sie würden bei einem ordentlichen Wind umfallen. Davon geht man im Binnenland aber nicht aus.

Außerdem überdauern sie an der See seiner Erfahrung nach nur vier oder maximal fünf Jahre. Richtige Strandkörbe halten dagegen an der Ostsee bis zu 25 Jahre. Wahrscheinlich hat er das mal ausprobiert und Gartenkörbe am Strand vermietet. *Scherz* Er findet auch bei den Strandkörben Unterschiede. Zum Beispiel, ob das Geflecht aus Naturmaterialien oder Kunststoff ist. Natürlich kommt es auch die Verarbeitung an. Zu DDR-Zeiten, schwelgt er in Erinnerungen, ging es auch ganz anders. „Da wurden die Strandkörbe auch komplett aus Kunststoff gebaut. Ein Trabi für den Strand.“

Heute lieben die Schulklassen und andere Gäste die traditionellen Körbe an der Ostsee. Spätestens zu Ostern werden diese aus ihren Winterquartieren geholt. Nach den Herbstferien ist die Saison vorbei und sie werden wieder eingelagert. Mieten kann man sie am Strand von Warnemünde für zur Zeit zwei Euro pro Stunde. Wenn man den ganzen Tag dort verbringen will, plant man sieben Euro pro Tag ein.

Strandkorbvermietung – nicht leicht gemacht

Für die Vermieter an der Ostsee ist das ein schwieriges Geschäft. Der Experte berichtet: „Voriges Jahr haben wir in der gesamten Saison nur an 21 Tagen wirklich alle Körbe vermietet – anwesend sein mussten wir Vermieter aber montags bis sonntags von 9 bis 19 Uhr.“
Reich geworden ist auch die Familie Bartelmann mit der Erfindung nicht. Der Ururgroßvater hat kein Patent angemeldet. Die Produktionsstätte an der Ostsee wurde im zweiten Weltkrieg 1942 zerstört und nie wieder aufgebaut. Der 33-jährig Nachfahre Andreas Bartelmann betreibt einen Laden für Getränke in Kühlungsborn, in dem er Strandkörbe wenigstens noch verkauft.

eine Unterkunft während einer Klassenfahrt?

Auf jeden Fall ist ein Strandkorb keine passende Unterkunft für während einer Klassenfahrt. Alleine fehlen ja schon die sanitären Anlagen. Wir kennen viele Unterkünfte an der Ostsee, die als Reiseziel in Frage kommen. Eine schöne Unterkunft, z.B. nicht weit am Strand und mit einer interessanten Umgebung, findet man während einer Klassenfahrt nach Stralsund. Das ist nur ein Beispiel. Anfragen sind jederzeit willkommen und werden so schnell wie möglich beantwortet.

Wer an der Ostsee wohnt oder in der Nähe bleibt vielleicht nur drei Tage dort. Die Jugendherbergen sind sehr oft schon gut ausgestattet und in der Hochsaison sehr gefragt. Aber neben den Jugendherbergen gibt es auch viele andere Unterkünfte. Ab einer Anreisezeit von über vier Stunden empfehlen wir mindestens 4 Tage an der Ostsee zu bleiben.